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Ich tu’s PartnerIn: SOLID

1. Treffen Steirischer ExpertInnen zum Projekt SDH © Jammernegg
1. Treffen Steirischer ExpertInnen zum Projekt SDH
© Jammernegg
Team von SOLID © SOLID
Team von SOLID
© SOLID

Das Grazer Externe Verknüpfung Unternehmen SOLID entstand zu Beginn der 1990er Jahre, als Christian Holter im Haus seiner Familie nach einer klima- und umweltfreundlichen Alternative zu einer Öl- oder Kohleheizung suchte. Heute beschäftigt SOLID rund 30 MitarbeiterInnen im Bereich Forschung und Entwicklung sowie bei der Planung und dem Bau großer Solarprojekte weltweit. SOLID ist gemeinsam mit AEE Intec und dem Land Steiermark auch am europaweiten Projekt Externe Verknüpfung Solar District Heating (SDH) federführend beteiligt 

Das EU-Projekts „solar district heating – from policy to market“ - SDHp2m ist ein mit Mitteln der EU unterstütztes Projekt, das sich der Aufbereitung des Marktes für solar-unterstützte Fernwärme widmet. Es nehmen insgesamt 9 europäische Staaten daran teil.


Am 24.5.2016 fand dazu in Graz das erste Treffen steirischer ExpertInnen statt (siehe Foto). Der nächste Termin wird am 18.10.2016 stattfinden. Der Steiermark kommt in diesem Projekt neben den Partnerregionen Rhone-Alpes und Thüringen die besondere Rolle einer Modellregion zu.


 

 

Die Ich tu's Redaktion traf Dr. Christian Holter in seinem Büro in der Grazer Puchstraße, um mehr über sein Unternehmen und die Pläne für die Zukunft zu erfahren.

 

Ich tu's: Womit beschäftigt sich SOLID derzeit?

Christian Holter: Wir bauen gerade bei der AVL zwei Anlagen und sind beim Grazer Fernheizwerk bei einer Erweiterung. International haben wir viele Projekte, die unterschriftsreif sind, von Lateinamerika bis Kalifornien und von Singapur bis Saudi Arabien.

 

Einerseits ist die Stimmung sicher positiv in Sachen Klima- und Umweltschutz. Andererseits ist der Ölpreis derzeit sehr niedrig. Merken Sie das auch, dass bei Investitionen in Alternativenergie gezögert wird?

Holter: Ja, dazu kommt noch eine massive Marktbereinigung sowohl im Bereich Solar als auch bei der fossilen Energie. Da gehen viele Assets und Netzwerke verloren, das ist dramatisch. Ich sehe sowohl in der Solar- und Photovoltaik-Industrie wie auch bei den Ölfirmen, dass zur Zeit viele Jobs verloren gehen. Wenn man in diesem Markt erfolgreich sein will, muss man eine Nische besetzen und flexibel sein. Wir argumentieren gegenüber unseren Kunden mittlerweile sogar mit den niedrigen Ölpreisen. Wir sagen sinngemäß: „Jetzt hab ihr ja mehr Budget zur Verfügung, also investiert das und es wird sich rasch rechnen." Es glaubt ja niemand, dass die Preise längere Zeit so am Boden bleiben.

 

War es eigentlich für SOLID auch einmal eine Überlegung, im Privatbereich - sprich Einfamilienhäuser - Solar zu verkaufen oder war die Konzentration auf Großanlagen von vorneherein klar?

Holter: Unsere Mannschaft war eigentlich immer innovationsorientiert und strebte nicht nach einem Massenmarkt. Wir haben zwar eine Zeitlang auch kleine Privatanlagen gebaut, aber die Großprojekte sind in Summe für uns einfach viel interessanter.

 

Wie geht es Ihrer eigenen Anlage zuhause, die ja bereits 1991 in Betrieb ging und heuer 25-jähriges Jubiläum feiert?

Holter: Auch wenn man heute vieles anders machen würde: Sie funktioniert immer noch reibungslos. Ich hatte im heurigen Winter ca. 10 Zusatzheiztage, wo ich 2 Festmeter Holz verheizt habe, alles andere kommt von der Sonne. Im Sommer wird die Energie gesammelt und in großen Wassertanks gespeichert, so steht sie im Winter zur Verfügung. Die Anlage ist ein schönes Beispiel für Langlebigkeit und war damals ein Forschungsprojekt, das mit dem Wissenschaftsministerium und der TU Graz entstand.

 

Welche Materialien verbauen Sie eigentlich bei den Großprojekten? Wo kommt die Ware her und verwenden Sie hier immer dieselben Produkte?

Holter: Die Kollektoren werden so ausgesucht, dass sie am besten zu den Anforderungen und Gegebenheiten beim Kunden passen. Um das Verhalten und die Qualität der Produkte bewerten zu können, testen wir Produkte. Beim Fernheizwerk haben wir eine Anlage, mit der wir derzeit fünf verschiedene Kollektortypen vergleichen können. Man muss nämlich sagen, dass es das „VW-Syndrom" auch bei manchen Solar-Fabrikanten gibt, nämlich mehr zu versprechen als man halten kann. Unsere Kollektoren kommen alle aus Europa, aus Österreich, Deutschland und Dänemark.

 

In welchem Anwendungsgebiet von Solarenergie ist SOLID denn hauptsächlich tätig?

Holter: In drei wesentlichen. Ein riesiges Potenzial gibt es im Bereich Fernwärme, hier reicht das Spektrum von Kroatien bis China. Bevorzugt im Süden ist solare Kühlung ein immer wichtigeres Thema. Die unzweifelhafte Zunahme der Tropen-Tage in unseren Breiten hat im Neubaubereich noch gar keinen entsprechenden Eingang gefunden. Und das dritte Feld ist die Prozesswärme und Prozesskälte im Bereich Industrie. Hier ist es momentan aufgrund der niedrigen Energiepreise schwierig, weil nur in Quartalergebnissen gedacht wird. Die Ausnahme sind hier Familienunternehmen, wo der Planungshorizont länger ist. Allerdings ist auch da der Stress, den der Finanzierungssektor macht, stark spürbar.

 

In Graz sind Sie selbst durchaus stadtbekannt und zwar nicht zuletzt durch Ihr Liegerad. Wie viele Kilometer machen Sie denn im Jahr damit?

Holter: Mein täglicher Weg sind so 25-30 Kilometer, ich bin ungefähr 100 bis 150 Tage in Graz im Jahr, das macht also an die 4000 Kilometer, dazu kommt noch einiges im Urlaub.

 

Ihre persönliche Ökobilanz ist durch die vielen geschäftlichen Flüge trotzdem fatal oder?

Holter: Wir haben hier ganz ernsthaft eine Evaluierung gemacht, die gezeigt hat, dass unsere Anlagen mittlerweile so groß sind, dass sich die komplette Reisetätigkeit bereits in der ersten Betriebswoche wieder Co2-mäßig hereinspielt. In Arizona haben wir etwa eine Anlage, die pro Tag zwischen 1.300 und 1.500 Liter Öl einspart.

 

In Graz ist eine Großanlage geplant, die neue Dimensionen erreichen könnte. Erzählen Sie uns abschließend etwas darüber bitte.

Holter: Die Anlage wird optimalerweise 450.000 m2 haben, die gesamte Speicherleistung könnte ca. 1,8 Millionen m3 betragen. Damit würde mehr als 20% des Wärmebedarfs im Grazer Fernwärmenetz inklusive Umlandgemeinden wie Kalsdorf und Feldkirchen gedeckt werden. Das Projektkonsortium ist gerade intensiv mit der Planung befasst.

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