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Mythos 4.2

E-Motoren sind ineffizienter als fossile Motoren

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Oftmals ist das Thema der Reichweite eine zentrale Kaufentscheidung - eine große Angst vieler Menschen in Bezug auf E-Autos ist, dass man irgendwo auf der Strecke liegenbleibt. Hier gilt es, sich selbst einzugestehen, welche täglichen Wege man wirklich und regelmäßig zurücklegt. Jede/r ÖsterreicherIn fährt im Schnitt jährlich 6.530 km mit dem Auto. Das sind weniger als 34 km täglich. Und das sind Strecken, die auch E-Autos der ersten Generation locker bewältigen können. Natürlich muss dies individuell betrachtet und auch die Möglichkeit des Aufladens zu Hause oder am Arbeitsplatz mitbedacht werden, aber auch längere Fahrten von 300 bis 400 km sind - ohne zusätzlich laden zu müssen - mit heutigen Modellen möglich.

E-Autos sind in Bezug auf Investitionskosten teurer als vergleichbare fossile PKW. Das liegt daran, dass es noch nicht so viele E-Autos gibt und die Produktion noch teurer ist. Da jedoch immer mehr E-Autos produziert werden, sinken auch die Preise. Um beim Beispiel des Akkus zu bleiben: 2010 kostete eine kWh Speicher circa € 850,-, 2019 nur mehr knapp über € 100,-. Analysen gehen davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren Zellherstellungskosten von deutlich unter € 100,- pro kWh erreicht werden könnten. Dies führt zu einer Preisparität zwischen E-Fahrzeugen und konventionellen Pkw. Im Vergleich Elektro vs. Fossil muss berücksichtigt werden, dass gleich ausgestattete PKW verglichen werden müssen. Oftmals sind E-PKW besser ausgestattet als vergleichbare fossile „Einstiegsmodelle". Daher kommt es zu einem deutlichen Unterschied bei den Investitionskosten.

E-Autos sind aufgrund der Batteriekosten in der Anschaffung zwar teurer als Autos mit Verbrennungsmotoren, jedoch amortisiert sich der Kauf innerhalb weniger Jahre dank deutlich geringerer Betriebskosten. Die Kostenunterschiede variieren von Modell zu Modell und nach Art der Nutzung. Finanzielle Anreize (Förderungen, Entfall der NoVA) reduzieren die Investitionskosten. Die laufenden Kosten (motorbezogene Versicherungssteuer, Rabatte bei Versicherungen, deutlich reduzierte Servicekosten, ...) führen dazu, dass sich E-Autos innerhalb weniger Jahre rechnen. Für eine Kalkulation relevant sind die Gesamtkosten eines Fahrzeuges (Total Cost of Ownership, TCO), die sich aus den Anschaffungskosten und den Betriebskosten über die gesamte Nutzungszeit zusammensetzen. Sogenannte TCO-Rechner helfen beim Vergleich und sind leicht im Internet über Suchmaschinen zu finden. Eine beispielhafte Berechnung finden Sie Externe Verknüpfung hier auf der Faktencheck-Website. Aktuell werden E-Autos durch den Bund gefördert und können so den Unterschied bei den reinen Anschaffungskosten deutlich reduzieren. Es kommt aber natürlich auf die Wahl des Fahrzeuges und dessen Ausstattung an. Wie zuvor beschrieben, spielen E-Autos ihre finanziellen Vorzüge vor allem bei den laufenden Kosten aus. Durch eine verminderte Versicherungsprämie (Entfall der motorbezogenen Versicherungssteuer bzw. auch teilweise günstigere Konditionen) sowie reduzierte Service- und Wartungskosten (kein Ölwechsel, deutlich weniger „klassische" Verschleißteile, ...) können schnell nachhaltige Kostenvorteile erzielt werden.

Vielfach wird das Thema der Tank- bzw. Ladekosten thematisiert. Ein durchschnittlicher Mittelklasse-PKW benötigt für 100 km rund 5 l Diesel. Ein E-PKW um die 15 kWh. Unterstellt man dem Diesel einen Preis von € 1,10/l und dem Strom € 0,19/kWh, dann ergibt sich, dass 100 Dieselkilometer € 5,50 kosten, während 100 elektrische Kilometer € 2,85.- kosten.

Wie bei jeder Betrachtung kommt es auf die Systemgrenze an und hierbei werden oft Werte miteinander verglichen, die unterschiedliche Systemgrenzen haben. Well-to-Tank bedeutet sinngemäß vom „Bohrloch bis zum Tank im KFZ" bzw. von der Stromproduktion bis zum Akku. Tank-to-Wheel beschreibt die Effizienz der Umwandlung des Kraftstoffes/Stromes in Bewegungsenergie. Well-to-Wheel betrachtet die gesamte Kette vom Rohstoff bis hin zur Umwandlung in Bewegungsenergie. Die Wirkungsgrade bei Tank-to-Wheel bzw. auch bei Well-to-Tank zeigen eindeutig, dass der Elektroantrieb in puncto Effizienz deutlich die Nase vorne hat. Die fossilen Wirkungsgrade bei einer Tank-to-Wheel Betrachtung bewegen sich zwischen 18% und 25%.

Die Motorenforschung schreitet aber stetig voran und so stehen bereits (theoretisch) Wirkungsgrade von bis zu 45% im Raum. Der Vergleich mit einem Elektroantrieb verdeutlicht die Effizienz: Elektromotoren weisen Wirkungsgrade zwischen 85% und 90% auf. Wasserstofffahrzeuge sind deutlich effizienter als fossile Fahrzeuge, der Effizienzunterschied zu E-PKW ist jedoch auch deutlich erkennbar. Wasserstofffahrzeuge weisen Wirkungsgrade um die 50% auf.

Die Wirkungsgrade bei Well-to-Tank zeigen ebenso ein deutliches Bild. Hier können fossile PKW von ursprünglich 100% Energieeinsatz nur rund 20% auf die Straße bringen. Wasserstofffahrzeuge weisen Wirkungsgrade um die 22% auf. Im Gegensatz dazu kommen E-PKW auf Wirkungsgrade von über 70%. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Power-to-Liquid mit einem Effizienzgrad von circa 13% mit Abstand den letzten Platz einnimmt.

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